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Bundestagsdebatten
verständlich zusammengefasst
25.09.2026 · 21. WP · 97. Sitzung
25.09.2026 · 21. WP · 97. Sitzung

Digitalisierung der Arbeitsförderung: Fraktionen im Streit um Zukunft der Arbeitslosenversicherung

TOP 37, ZP 8 Digitalisierung der Arbeitsförderung, gesetzliche Arbeitslosenversicherung

Die Debatte dreht sich um die Modernisierung der Arbeitsförderung und der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung durch Digitalisierung und Prozessoptimierung. Während die SPD und CDU/CSU eine aktive Gestaltung und den Schutz der Arbeitslosen betonen, äußern die Grünen und AfD Bedenken hinsichtlich Finanzierung, Bürokratie und der eigentlichen Aufgabenstellung der Versicherung. Die Linke fordert dagegen eine Stärkung der Bundesagentur und aktive Beteiligung der Arbeitnehmer.

6Zusammengefasste Redebeiträge
5Fraktionen
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Worüber gestritten wurde

✓ Einigkeit

  • Die Notwendigkeit, die Arbeitsförderung zu digitalisieren und Prozesse zu optimieren, wird von CDU/CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betont.
  • Die Notwendigkeit, Übergänge in Beschäftigung zu erleichtern, wird von CDU/CSU, SPD und DIE LINKE hervorgehoben.
  • Die Bedeutung der Vermittlung von Arbeitslosen und die Bereitstellung von Sicherheit und Perspektiven wird von CDU/CSU und SPD betont.
  • Die Notwendigkeit, die Auswirkungen wirtschaftlicher Umbrüche auf Arbeitsplätze zu bewältigen, wird von SPD und DIE LINKE betont.

✕ Streitpunkte

  • Die Finanzierung der Modernisierungsprojekte wird von CDU/CSU kritisch geprüft, während SPD und GRÜNE eine aktive Wirtschaftspolitik fordern.
  • Die Frage der Bürokratieabbau und der Umsetzung von Kooperationsplänen wird von CDU/CSU als wichtig erachtet, während GRÜNE und AfD dies als problematisch ansehen.
  • Die Finanzierung versicherungsfreier Leistungen ausschließlich aus Steuern wird von AfD gefordert, während SPD, CDU/CSU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN dies ablehnen.
  • Die Rolle und Ausstattung der Bundesagentur für Arbeit sowie die aktive Beteiligung der Beschäftigten an Entscheidungen werden von DIE LINKE stark betont, während CDU/CSU und SPD dies als weniger zentral einstufen.
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Positionen der Fraktionen

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Die Reden im Einzelnen

6 Beiträge
Jan Feser AfD
Der Redner kritisiert scharf die aktuelle Lage der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung, die durch die Energie- und Wirtschaftspolitik stark belastet ist. Er weist auf einen massiven Anstieg der ALG-I-Bezieher und ein steigendes Defizit in Höhe von Milliarden Euro hin, das durch weitere Kredite lediglich verschoben wird. Die AfD-Politiker beklagen, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber „vors Knie gebeten“ werden, um die Probleme zu lösen, während die Regierung mit neuen Krediten die Situation verschärft. Er argumentiert, dass die Modernisierungsmaßnahmen der Bundesregierung (Digitalisierung der BA) als „Tropfen auf den heißen Stein“ ausfallen und der Sozialstaat auf eine starke Wirtschaft angewiesen ist. Der Redner fordert, dass versicherungsfremde Leistungen ausschließlich aus Steuern finanziert werden und dass Maßnahmenanbieter den Erfolg ihrer Maßnahmen nachweisen müssen, zudem sollen Steuerausfälle durch Steuererleichterungen ausgeglichen werden, um die Beitragssätze nicht anzuheben. Zusätzlich kritisiert er die Politik der Grünen und fordert eine tatsächliche Reform anstatt rein kosmetischer Änderungen.
Dr. Markus Reichel CDU/CSU
Der Gesetzentwurf zielt auf die Modernisierung der Arbeitsförderung durch Digitalisierung und Prozessoptimierung ab, um die Herausforderungen der demografischen Entwicklung und des Strukturwandels zu bewältigen. Kernpunkte sind die Einführung einer Job-to-Job-Erprobung, die elektronische Abwicklung von Verfahren wie Arbeitslosmeldung und Kurzarbeitergeld sowie die Nutzung von Videotelefonie. Zudem wird eine Experimentierklausel zur Erprobung neuer Ansätze in der Arbeitsförderung gefördert und es werden Vereinfachungen bei Entgeltersatzleistungen und anderen Leistungen vorgenommen. Die Maßnahme soll jährlich rund 1 Million Stunden für Bürgerinnen und Bürger sowie 11 Millionen Euro für die Wirtschaft entlasten. Die Koalition bekennt sich zu einer konsequenten Umsetzung der Modernisierungsagenda, wobei die Verbindlichkeit von Kooperationsplänen und die Finanzierung von Leistungen besonders geprüft werden. Der Fokus liegt auf der Reduzierung unnötiger Bürokratie und einer Arbeitsförderung, die Übergänge in Beschäftigung erleichtert.
Sylvia Rietenberg Grüne
Sylvia Rietenberg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) argumentiert, dass die Arbeitslosenversicherung nicht nur eine Reaktion auf Arbeitslosigkeit sein darf, sondern aktiv präventiv wirken muss, um Arbeitslosigkeit zu verhindern. Entscheidend sind frühe Beratungsangebote, Qualifizierungsmaßnahmen und die Organisation von Übergängen in neue Arbeitsplätze, insbesondere in Zeiten von veränderten Qualifikationsanforderungen. Die Partei plädiert für die Weiterentwicklung des Qualifizierungsgeldes, der Beschäftigungsförderung und der Berufsberatung, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen, durch vereinfachte Antragsverfahren und flexible Weiterbildungsangebote. Zudem fordern sie eine Anpassung der Arbeitslosenversicherung an die zunehmend vielfältigen Erwerbsbiografien der Menschen, beispielsweise bei Selbstständigkeit oder projektbezogener Arbeit. Die Grünen betonen, dass Kürzungen in Vermittlung, Beratung und Qualifizierung nicht zur Kosteneinsparung führen, sondern die Kosten der Arbeitslosigkeit in die Grundsicherung verlagern und fordern eine stärkere Ausrichtung der Arbeitslosenversicherung, um die Sicherheit und den Wandel der Betroffenen zu unterstützen.
Cem Ince Linke
Der Redner, Cem Ince von DIE LINKE, betont die Notwendigkeit, die Auswirkungen der wirtschaftlichen und industriellen Umbruchsphase, insbesondere Deindustrialisierung und Digitalisierung, auf Arbeitsplätze zu bewältigen. Er argumentiert, dass das operative Risiko vor allem von Arbeiterinnen und Arbeitern getragen wird und deutet die drohende Gefahr von Jobverlusten und Existenzängsten an. Um die Herausforderungen zu bewältigen, fordert er eine bessere Ausstattung der Bundesagentur für Arbeit, einen Rechtsanspruch auf Qualifizierung und Weiterbildung sowie eine mutige Industriepolitik mit massiven Investitionen und Jobgarantien. Ein proaktiver Eingriff der Politik ist notwendig, um Werksschließungen und Entlassungen zu verhindern, und Beschäftigte sollen aktiv in Entscheidungen einbezogen werden, insbesondere bei Qualifizierungsmaßnahmen. Die Mitbestimmung der Arbeitnehmer wird als zentrales Element für gelingende Transformationsprozesse hervorgehoben.
Jens Peick SPD
Der Ausschnitt des Redebeitrags von Jens Peick (SPD) thematisiert die Bedeutung der Arbeitslosenversicherung als Errungenschaft und Ziel, die Arbeitsmarktnähe zu erhalten. Die Vorsitzende der Bundesagentur hat die Notwendigkeit der Versicherung hervorgehoben, die durch unverschuldete Arbeitslosigkeit verursacht werden kann, wie Jobveränderungen, konjunkturelle Schwächen oder Schicksalsschläge. Das Gesetz zielt darauf ab, Übergänge zwischen Beschäftigungsverhältnissen zu verbessern, beispielsweise durch die Arbeitserprobung, und Weiterbildungen während des Arbeitslosigkeitsstatus zu ermöglichen, insbesondere durch das Transferkurzarbeitergeld. Um das Defizit der Bundesagentur zu bekämpfen, wird eine aktive Wirtschaftspolitik gefordert, die durch die Maßnahmen im Gesetz unterstützt werden soll. Die Position wird von SPD und CDU/CSU geteilt, wobei die Notwendigkeit eines umfassenden Schutzbedarfs betont wird.
Peter Aumer CDU/CSU
Die Rede von Peter Aumer (CDU/CSU) thematisiert die Notwendigkeit einer Modernisierung der Arbeitslosenversicherung angesichts der aktuellen Lage mit 3 Millionen Arbeitslosen und eines Defizits von 4,23 Milliarden Euro. Er argumentiert, dass die Arbeitslosenversicherung vor allem die Aufgabe hat, Menschen schnell zur Arbeit zu vermitteln und ihnen Struktur, Sicherheit und Perspektive zu bieten, was er als grundlegendes Prinzip der sozialen Marktwirtschaft ansieht. Aumer kritisiert Vermittlungsquoten und fordert klare Antworten auf die Herausforderungen der Arbeitsmarktlage. Er betont die Notwendigkeit, dass Beiträge stabil bleiben und zusätzliche Leistungen nicht durch Steuerzahler finanziert werden. Aumer plädiert für die Förderung von Job-to-Job-Erprobungen als Möglichkeit zur Anpassung an den sich verändernden Arbeitsmarkt und betont die Bedeutung von Kooperation und gegenseitiger Verantwortung. Die Regierungskoalition trägt die Verantwortung, den Reformkurs durchzusetzen, um Hoffnung zu geben und die Herausforderungen zu bewältigen.