PlenarKlar
Bundestagsdebatten
verständlich zusammengefasst
23.09.2026 · 21. WP · 95. Sitzung
23.09.2026 · 21. WP · 95. Sitzung

Immobilien-Drama: Mieter schützen oder EU-Bürokratie?

TOP 6 Immobilientransparenzregister, Mieterschutz

Die Debatte dreht sich um die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Geldwäsche durch ein Immobilienscreening-Register. Während die SPD eine Fokussierung auf Immobiliengeschäfte befürwortet, kritisieren CDU/CSU und AfD eine umfassende Datensammlung und betonen die Gefahr unnötiger Bürokratie und Datenschutzverletzungen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN plädieren für eine Neugestaltung des Wohnungsmarktes mit Fokus auf Mieterschutz, während DIE LINKE die Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen fordert.

8Zusammengefasste Redebeiträge
5Fraktionen
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Worüber gestritten wurde

✓ Einigkeit

  • Die Notwendigkeit, Geldwäsche zu bekämpfen und europäische Vorgaben umzusetzen.
  • Die Notwendigkeit, die Wirksamkeit von Ermittlungsmaßnahmen und Datenaustausch zu erhöhen.

✕ Streitpunkte

  • Die Forderung nach einem umfassenden Immobilienscreening-Register (SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vs. CDU/CSU, AfD).
  • Die Frage der Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen (DIE LINKE vs. CDU/CSU, AfD).
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Positionen der Fraktionen

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Die Reden im Einzelnen

8 Beiträge
Dr. Philipp Rottwilm SPD
Dr. Rottwilm vertritt die Position der SPD und kritisiert die Vorschläge der Linken. Er befürwortet die Umsetzung der EU-Vorgabe zum Immobilienregister, um Geldwäsche zu bekämpfen und Daten zentral zu erfassen, lehnt aber die umfassende Datensammlung der Linken ab, die er als "Steuerung von ganz oben" und "Datenlieferanten des Staates" kritisiert. Zudem lehnt er den Antrag zur Regulierung von Wohnungsunternehmen ab, da er als zu willkürlich und ideologisch geladen empfunden wird. Die SPD unterstützt Meldepflichten für Immobiliengeschäfte und die Bekämpfung von Geldwäsche. Der Fokus liegt auf der Umsetzung der EU-Vorgabe zum Immobilienregister und der Vermeidung einer umfassenden Überwachung von Mietverhältnissen. Rottwilm kritisiert die Vergesellschaftungspläne der Linken, die er als unrealistisch, wirtschaftspolitischer Unsinn und eine Bedrohung der sozialen Marktwirtschaft ansieht, sowie die beabsichtigte Enteignung von Wohnungskonzernen.
Caren Lay Linke
Caren Lay von DIE LINKE kritisiert die Position von Herrn Rottwilm, die die Forderung nach einer Vergesellschaftung großer privater Wohnungskonzernen als Populismus abtut. Sie weist darauf hin, dass auch die SPD-Basis in Berlin eine ähnliche Forderung nach Umsetzung eines demokratischen Volksentscheids hat. Lay betont den Widerspruch zwischen Rottwilms Bewertung als Populismus und der entsprechenden Forderung der SPD-Basis. Sie stellt die Frage nach der Konsistenz der Position der SPD, indem sie auf die Unterstützung des Volksentscheids durch ihre eigene Basis verweist. Die Aussage zielt darauf ab, die Kritik an der Vergesellschaftung als nicht grundlos zu bewerten.
Dr. Paul Schmidt AfD
Dr. Schmidt kritisiert den Antrag zur Immobilienscreening, da er über die EU-Geldwäscherichtlinie hinausgeht und detaillierte Daten über Wohnungen sowie Eigentümer erfassen will, die auch NGOs und Journalisten zugänglich gemacht werden sollen. Die AfD lehnt den Antrag ab und sieht darin eine Bevormundung von Vermietern. Ein weiterer Antrag zielt auf die Einschränkung des Marktzugangs von Immobilienunternehmen ab, um vermietende Unternehmen zu zwingen, Wohnungen zu verkaufen oder die Vermietung einzustellen, begründet durch hohe Gewinne börsennotierter Unternehmen. Die AfD argumentiert, dass der Antrag die meisten privaten Vermieter betrifft und die Gängelung privater Vermieter beenden müsse, da bereits eine hohe Anzahl privater Vermieter die Einstellung ihrer Vermietungstätigkeit in Erwägung ziehen. Die AfD fordert stattdessen bessere Bedingungen für Wohneigentum und eine funktionierende Immobilienmarkt.
Philip M. A. Hoffmann CDU/CSU
Der Redner, vertreten durch die CDU/CSU, kritisiert den Antrag der Linken zur Geldwäschebekämpfung scharf. Er argumentiert, dass der Antrag über die Anforderungen der 6. EU-Geldwäscherichtlinie hinausgeht und unnötige Bürokratie schafft. Insbesondere wird die Forderung nach einem umfassenden wohnungspolitischen Register, das detaillierte Informationen über Immobilien und Mietverhältnisse erfordert, abgelehnt, da sie keinen direkten Nutzen für die Geldwäschebekämpfung bringt. Stattdessen sieht der Redner darin ein Instrument, das Daten für wohnungspolitische Zwecke sammelt und potenziell gefährliche Informationen offenlegt. Die Erweiterung des Zugangsrechts auf Journalisten und andere Interessengruppen sowie die vorgeschriebene Meldepflicht für einfache bauliche Veränderungen werden ebenfalls als überflüssig kritisiert. Der Redner plädiert für einen risikobasierten Ansatz mit gezielten Ermittlungen und effizientem Datenaustausch, um die Wirksamkeit der Geldwäschebekämpfung zu erhöhen und europäische Vorgaben konsequent umzusetzen.
Hanna Steinmüller Grüne
Hanna Steinmüller (Bündnis 90/Die Grünen) fordert eine gerechtere Gestaltung des Wohnungsmarktes, in dem Mieten nicht die Hälfte des Einkommens ausmachen und Mieter vor Ungerechtigkeiten geschützt werden. Sie kritisiert die Ineffektivität der Mietpreisbremse aufgrund zahlreicher Schlupflöcher und plädiert für eine stärkere Regulierung von Eigenbedarf, insbesondere durch die Beschränkung auf enge Familienmitglieder und den Schutz älterer Menschen. Um die Ungleichheiten zu bekämpfen, setzt sie sich für eine höhere Transparenz bei der Vermietung ein, beispielsweise durch die Offenlegung von Einkommen und Schufa-Auskünften sowie durch die Bekämpfung von Steuerprivilegien für Immobilieninvestoren (z.B. durch die Abschaffung der Spekulationsfrist und Share Deals). Sie argumentiert, dass durch diese Maßnahmen 7 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich eingenommen werden könnten, um beispielsweise für bezahlbaren Wohnraum zu finanzieren. Zudem wird die Förderung von Genossenschaften und kommunalen Wohnungsunternehmen sowie die Einführung der Wohngemeinnützigkeit angestrebt, um faire Mieten zu ermöglichen.
Isabelle Vandre Linke
Isabelle Vandre von der Partei DIE LINKE fordert die Einrichtung eines umfassenden Immobilientransparenzregisters, um intransparente Eigentumsverhältnisse, insbesondere von Briefkastenfirmen, aufzudecken. Sie argumentiert, dass dieses Register eine Voraussetzung für eine wirkungsvolle Wohnungspolitik sei und vor Mieterhöhungen durch Geldwäsche schütze, wobei sie konkrete Zahlen zu potenziellen kriminell generierten Vermögen angibt. Vandre betont, dass Transparenz allein nicht ausreicht und eine Mietenpolitik benötigt, die die Bedürfnisse von Mietern in den Mittelpunkt stellt und Wohnraum statt Profite der Wohnungskonzerne sichert. Sie kritisiert insbesondere die hohen Ausschüttungen von Unternehmen wie Vonovia an ihre Aktionäre und fordert eine stärkere Regulierung von Private-Equity-Firmen. Mit ihren Anträgen zielt sie darauf ab, kriminelles Kapital und Miethaie einzudämmen, um die Lebenssituation von Mietern zu verbessern.
Dr. Florian Dorn CDU/CSU
Dr. Dorn verteidigt den Plan der Koalition zur Bekämpfung von Geldwäsche, der durch einen Aktionsplan, das Zollfinanzgerechtigkeitsgesetz und die Schaffung einer zentralen Immobiliendatenstelle unterstützt wird. Der Fokus liegt auf der verbesserten digitalen Erfassung von Eigentümerdaten, Transaktionshistorien und dem automatisierten Informationsaustausch, um verdächtige Geldströme schneller aufzuspüren. Die CDU/CSU kritisiert den Vorschlag der Linken, umfassende Daten über Immobilien (Mietverträge, Zimmerzahlen, Energieeffizienz etc.) zu erfassen, als übermäßige Bürokratie und potenziellen Eingriff in das private Eigentum. Zudem wird die Politik der Linken, die auf Genehmigungsentzug und Veräußerungspflichten für große Wohnungsunternehmen abzielt, als kontraproduktiv für den Wohnungsbau und Investitionen abgelehnt. Die Linke argumentiert, dass diese Maßnahmen zu einer Reduzierung des Wohnungsangebots führen und somit insbesondere Menschen mit geringem Einkommen schaden würden.
Rainer Groß AfD
Rainer Groß kritisiert die aktuelle Wohnsituation in Deutschland, insbesondere den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Ballungsräumen, und führt dies auf die von der EU und der Bundesregierung geförderte „links-grüne Deindustrialisierung“ zurück. Er argumentiert, dass Marktzugangsbeschränkungen und ein vorgeschlagenes Universalregister, die unter dem Vorwand der Geldwäschebekämpfung geschaffen werden, nicht zur Bekämpfung der Kriminalität beitragen, sondern lediglich Mieter ausspionieren. Der Rückgang des Neubaus von 2020 bis 2025, verbunden mit steigenden Baukosten und sinkenden Renditen, wird als Hauptursache für die hohen Mietpreise genannt. Er sieht die Verhängung von Vergesellschaftungsmaßnahmen als Versuch, seriöse Investoren auszuweisen und somit den neuen Wohnungsbau zu behindern. Groß betont, dass die hohen Mieten ein Ergebnis von „Staatsversagen“ sind und kritisiert die vorgeschlagenen Maßnahmen als reine „sozialistische Mottenkiste“ und Symptombefiechtung.